30 Jahre Windkraft Simonsfeld sind wahrlich ein guter Grund, um einen faszinierenden Einblick in die neue Firmenzentrale am Energiewende Platz in Ernstbrunn im Weinviertel zu erleben!


Thomas Ofner, Head of Facillity & Monitoring des Unternehmens, hat uns durch das beeindruckende neue Gebäude geführt, dessen Erweiterung u.a. mit einem der hochrangigsten Architekturpreise Österreichs, dem Bauherr*innenpreis der Zentralvereinigung der Architekt*innen Österreichs – ausgezeichnet wurde. Weitere Preise wie der Niederösterreichische Holzpreis 2025, der Sonderpreis der Jury Architektur 2025 und der Staatspreis Architektur 2025 Kategorie „Handel und Dienstleistung“ oder der Fiabci Austria Prix D‘‘Excellence Austria – Wettbewerb für herausragende österreichische Immobilienprojekte 2024/25 konnten ebenfalls eingeheimst werden.






Auch Wer Was Wo Weinviertel ließ sich von der Architektur und dem Flair der Räumlichkeiten, die ein wohliges Gefühl vermitteln und stets funktional gestaltet sind, beeindrucken. Hier wird auf den Menschen und die Natur geschaut – Nachhaltigkeit ist bei Windkraft Simonsfeld nicht nur ein Wort, sondern ein ausgesprochenes Ziel!
Die preisgekrönte Erweiterung der Firmenzentrale Windkraft Simonsfeld wurde vom Wiener Architekturbüro juri troy architects gestaltet und umgesetzt und präsentiert sich als markanter Holzrahmenbau mit einem zweistöckigen Kern aus Stampflehm. Kurz zusammengefasst wurden nachhaltige Materialien – teilweise aus der Region – verwendet, eine innovative Bautechnologie angewandt und offene Kommunikationsräume geschaffen. Damit erreicht man bei Windkraft Simonsfeld eine negative CO2-Bilanz und die höchste Bewertung von 1000 Punkten nach dem österreichischen klimaaktiv-Gebäudestandard. Chapeau!



Schon das Bestandsgebäude aus dem Jahr 2014 machte auf sich aufmerksam und war das erste Plus-Energie Bürogebäude Niederösterreichs sowie klimaaktiv zertifiziert!
Laut Thomas Ofner, wollte man damals die Technik herzeigen. Wir befinden uns im begrünten Innenhof des Gebäudes und sehen oben die Tornado-Lüfter, die mit dem Wind angetrieben werden. Die grünen Inseln sind mit blühenden Sträuchern, kleinen Bäumen bepflanzt und mit einer Holzeinfassung versehen. Der Springbrunnen ist mittlerweile auch schon aktiviert.
Unten in den Fassaden befinden sich Lüftungsklappen – ein ausgeklügeltes System, das für eine natürlich Kühlung sorgt: Im Sommer gehen sowohl unten als auch oben in der Decke die Klappen auf – das gibt eine natürliche Kühlung in der Nacht. Wenn der Wind geht, was im Weinviertel nicht selten passiert, werden die Lüfter zusätzlich angetrieben. Der entstehende Kamineffekt wird durch einen Sog zusätzlich verstärkt. Integrierte PV-Module sorgen für Beschattung, so kann das Bestandsgebäude im Hochsommer nicht überhitzen.


Die unteren zwei Reihen der PV-Module wurden im Zuge der Erweiterung demontiert und sollen in einem anderen Projekt wiederverwertet werden. Aktuell setzt man im Innenhof auf Begrünung durch Kletterpflanzen.
Die PV-Anlage hat in Summe 150 kWp(Kilowatt Peak) – der Neubau ca. 90 kWp.
Die Tragkonstruktion des Gebäudes besteht aus Fichten- und Tannenholz, großteils aus heimischen Wäldern. Die Außenterrasse ist bewusst mit einem Eichenbelag versehen.


Von draußen nach drinnen
Der erste Eindruck im Untergeschoß ist der großzügige, helle Veranstaltungsbereich mit Loungemöbeln und einer langen Theke. Perfekt für Firmenevents, die im Haus austragen werden.





Unten gibt es auch einen großen Besprechungsraum mit flexiblen Tischen, die sogar via Whiteboard beschreibbar sind. Man wollte keinen typischen Besprechungsraum schaffen, sondern eher einen Raum, wo man sich ausleben kann. Die Wände sind mit Whiteboard-Markern beschreibbar und gleichzeitig magnetisch. Die Möbel sind höhenverstellbar und ermöglichen bequemes Sitzen oder Stehen.
Thomas Ofner verweist nicht ohne Stolz auf die Stampflehmwand. Der Lehm dazu stammt vom Aushub der Baugrube – das Material wurde auf der Baustelle zwischengelagert und im Innenbereich wiederverarbeitet. In der Innenwand wird der Lehm als Energiespeicher genutzt – dahinter sind Heizungs- und Kühlungsschläuche verlegt. Der große Vorteil des Lehms: Er kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder langsam abgeben.
Der Fußboden ist ein etwas in Vergessenheit geratener und früher weitverbreiteter Terrazzoboden. Auch hier stammt das Material aus der Region, nämlich vom Steinbruch Ernstbrunn.

Im Erdgeschoß befindet sich dann auch noch ein Mehrzweckraum und eine Kantine, die man mit dem Mehrzweckraum zusammenschalten kann, indem man die mobile Trennwand öffnet. Dann bietet sich Platz für 150 Personen mit Kinobestuhlung oder 100 Personen mit Tischen in Tafel-Aufstellung. Ein Weinviertler Strohhut liegt auf dem langen Tisch und bildet einen schönen Kontrast zum modernen, schlichten Raum. Hier wird ausschließlich vegetarisch/vegan gekocht, und das auf hohem Niveau!


Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es zahlreiche Benefits, da man ein attraktiver Arbeitgeber sein will: Dazu gehört das kostenlose Aufladen von E-Autos, ein Eltern Kind Büro, Massagemöglichkeiten oder sogar Turnkurse.





Auf der Sonnenterrasse entdecken wir bequeme, stylishe Schaukelstühle. Manche Mitarbeiterinnen sitzen tatsächlich mit dem Laptop draußen und halten dort Online-Besprechungen.
Nicht jede Mitarbeiterin oder jeder Mitarbeiter hat einen eigenen Arbeitsplatz. Es wird das Prinzip des Desk-Sharing gelebt, da Homeoffice plus eine 4-Tage-Woche angeboten wird. Platzverschwendung entspricht nicht der Firmenphilosophie der Windkraft Simonsfeld. Die Zwischenwände sind wie Möbel hereingestellt und können einfach weggenommen werden, falls viel Platz benötigt wird.


Dann werfen wir noch einen Blick in die verschiedenen Besprechungsräume – moderne Rückzugsplätze zum Arbeiten in verschiedenen Größen.
Uns fällt der Rückzugsraum „Erde“ auf! Dazu hat das Architekturbüro juri troy architects die bekannte Künstlerin Viviana Schimmenti eingeladen, mitzuwirken. Diese arbeitete bei der Gestaltung der Koje mit Naturstoffen, verschiedenen Materialien und Strukturen. Auf den Wänden sind die Felder des Weinviertels in natürlichen Farben simuliert. Auf der anderen Seite befindet sich das Gegenstück – der Raum „Himmel“. Die Künstlerin sieht darin die Verbindung der Windräder mit Himmel und Erde.


Wie alles begann
Die gesamte Belegschaft konnte Ideen zur Gebäudeerweiterung einbringen. Aus diesem Grund hat man Nutzerworkshops veranstaltet, wo Vertreterinnen und Vertreter aus allen Abteilungen dabei waren. Dabei stellte man sich folgende Fragen: Wie stellen wir uns das neue Büro vor? Wie groß sollen die Besprechungszimmer sein und wie sollen diese ausgestattet sein und aussehen?
Der ganze Input ist in ein Konzept eingeflossen, das die Firma M.O.O.CON GmbH in Wien erstellt hat. Beim veranstalteten Architekturwettbewerb wurden aus 30 Architekten 15 ausgewählt und deren Werke angeschaut. In einem Online-Pitch konnten sich alle vorstellen – vier kamen in die engere Auswahl. Schließlich hat sich das Architekturbüro aus Wien juri troy architects (Chef ist Vorarlberger) durchgesetzt und gewonnen.
Thomas Ofner erklärte uns noch das Motto des Bauvorhabens: Wir wollen bauen, wie man 2050 bauen sollte: zukunftsweisend, nachhaltig und stets im Einklang mit der Natur. Der Holzbau mit Bäumen aus den Wäldern Österreichs war also vorprogrammiert. Viele regionale Firmen wurden eingebunden wie etwas die Tischlerei Schlemmer aus Poysdorf, die Gartengestaltung Hertl aus Ebersdorf a.d. Zaya oder die Tischlerei Pöchacker & Haidegger aus Atzenbrugg.
Sind Windparks zukunftsfit?
Die Windkraft Simonsfeld möchte sich immer weiter entwickeln. Dafür hat man eine Ökobilanz für einen Windpark erstellt: Ein Life-Cycle-Assessment zeigt, was an CO2-Emmissionen über den ganzen Lebenszyklus einer Windkraftanlage produziert wird. Das Ergebnis war, dass Windenergie die mit Abstand geringsten CO2-Emissionen aller Energiequellen produziert.
Am Ende der Laufzeit muss man die Anlagen abbauen und den Beton aus dem Boden entfernen. Bei einem Atomkraftwerk oder anderen Kraftwerken ist das gar nicht möglich.


Das Team der Windkraft Simonsfeld ist felsenfest davon überzeugt, dass man mit den Windparks eine zukunftsfitte Energiegewinnung anbietet.
wksimonsfeld.at
Fotos: Brittas Schreiberei
[RG1]Mehrzweckraum und Kantine sind im Erdgeschoss, wo man auch im Freien sitzen kann. Im OG ist der interne Kommunikationshub mit Mitarbeiter*innen Tee-Küche, Balkon, Tischfußball, …
[RG2]mit Tischen in Tafel-Aufstellung
[RG3]Besprechungsräume
[TO4]Viviana Schimmenti – CaravanAtelier Baukunst GmbH – https://www.caravanatelier.com/zwischen-himmel-und-erde